Die Gemeinde Suggental, seit 1971 Ortsteil der Stadt Waldkirch, liegt am Schwarzwaldrand an der Schnellstraße von Freiburg im Breisgau nach Waldkirch. Das gleichnamige Tal mit dem mal Suggen- mal Talbach genannten Fließgewässer mündet am Fuß des Engebuck ins Elztal und zieht sich von dort auf einer Länge von mehr als drei Kilometern nach Südosten bis zum 630 m hohen Lusergipfel hinauf. Folgt man dem Grat des Gebirges weiter in östlicher Richtung so erreicht man bald den Kandel, mit 1243 m Höhe einer der höchsten Schwarzwaldberge.
Der heutige Ort mit einer Einwohnerzahl von 375 beginnt gleich am Taleingang, dort, wo die alte Bundesstraße 294, die heutige Kreisstraße 5103, vorbeiführt. Hier befindet sich auch das Suggenbad, das durch seine Schwefelquelle schon im Spätmittelalter überregionale Bekanntheit erlangte. Die ersten urkundlichen Zeugnisse von einem Badehaus stammen aus dem 15. Jahrhundert, und noch um 1900 besaß es 20 Badekabinen, die von der Quelle gespeist wurden. Das Bad hatte einen guten Ruf und war nach Matthäus Merian heilsam für die Wassersüchtigen und half „gegen Aufblähungen von Winden und den Keuchenden und Krätzigen“. In der wilhelminischen Zeit waren dort Kaiser Wilhelm I, Kaiserin Augusta und der Großherzog von Baden, Friedrich, und viele andere Berühmtheiten zu Gast. Die Feste und Feiern im Suggenbad insbesondere zur Fasnetzeit waren berühmt-berüchtigt und wurden von der Obrigkeit bis ins 20. Jahrhundert hinein mit Argwohn beobachtet. Der Badebetrieb wurde erst kurz vor dem 1. Weltkrieg eingestellt. Das Suggenbad hat sich bis heute sein hohes Ansehen als Hotel und Restaurant mit einer exquisiten Küche erhalten. Auch das Schwefelwasser sprudelt noch – bedauerlicherweise fast immer ungenutzt - im Springbrunnen des Biergartens und in der Quellfassung gegenüber vom Schwefelhof.
Die bergauf etwa in der Mitte des Tales gelegene hochmittelalterliche Siedlung soll der Sage nach zur Hochzeit des Silberbergbaus, also im 12./13. Jahrhundert 1500 Einwohner beherbergt haben. Die im 30jährigen Krieg niedergebrandte Kirche wurde nach den alten Maßen an der gleichen Stelle wiederaufgebaut und 1661 neu geweiht. Nach einem Bericht vom Anfang des 19. Jahrhunderts sollen in diesem Neubau tatsächlich 1200 bis 1500 Personen Platz gefunden haben, und das bei einer damaligen Einwohnerzahl Suggentals von 130! Schließlich wurde die Kirche wegen der feuchten Mauern abgerissen und weiter unten im Tal eine neue errichtet. Mit Ausnahme der verbrieften Relikte der alten Kirche in der Kapelle des Friedhofs unterhalb vom Reschbauernhof sind gegenwärtig keine Spuren des alten Dorfes mehr zu finden. Gehöfte, Wiesen, Weiden und Wälder prägen heute diesen Talbereich.
Bergbau im Suggental – für einen Ortsunkundigen ist es schwer vorstellbar, dass in diesem am Schwarzwaldrand gelegenen Idyll einst Montanindustrie betrieben wurde. Auf den ersten Blick weist ja auch recht wenig auf die alte, eng mit der Geschichte des Tals verbundene Bergbautradition hin: Land- und Forstwirtschaft und die Natur haben sich größtenteils zurückerobert, was der Bergbau in jahrhunderte langer Abbautätigkeit formte und veränderte. So schrieb der Waldkircher Chronist und Rechtsanwalt Dr. Willi Thoma anlässlich einer Wanderung durch das Suggental im Jahre 1974: „Dreht man sich (am Vogelsanghof) um, schaut man in eines der schönsten Schwarzwaldtälchen, gewissermaßen in eine Mantelfalte Gottes eingehüllt.“
Erst wenn man mit offenen Augen durch das Gelände streift, erkennt man nahezu in jedem der malerischen Winkel Spuren der intensiv betriebenen Ausbeutung der Suggentaler Erzgänge im Hochmittelalter und der frühen Neuzeit. Verfallene und längst vergessene Hinterlassenschaften wie Stollenmundlöcher, Schurfpingen, Abraumhalden, Schächte und Abbauspalten, Schmiede- und Schmelzplätze, sowie andere dem Bergbau dienliche Gebäude und Überbleibsel, zeugen von einem der ehemals reichsten Reviere des Breisgau. Allein 92 Stollen, Schächte und Schürfe sollen einmal vorhanden gewesen sein. Vom Vogelsanghofbauern ist dazu der kennzeichnende Satz überliefert: „Kein Hamberle dät hier mehr schlofe, wenn er wißt, wie hohl der Berg isch, auf dem der Hof stoht.“ Die Grabenhofbäuerin soll einmal in einem sich hinter dem Traktor ihres Mannes auftuenden Loch verschwunden sein, und noch im Jahr 2004 brach die Teerstraße unterhalb des Duggenhauerhofs ein.
Im Umkreis des beim Bürliadamshof von der Bergbauforschungsgruppe untertage erschlossenen Forschungs- und Besucherbergwerks „Erich“ finden sich weitere vielfältige Zeugen des Silber- und Eisenbergbaus, die auf einem dichten Netz von Wanderwegen leicht zu erkunden sind. Am besten nutzt der interessierte Wanderer den ausgeschilderten Bergbau-Wanderweg mit seinen fünf Stationen bzw. Schautafeln. Ausgangspunkt ist der Parkplatz beim Suggenbad.
Schon am Talausgang entlang der Kreisstraße befinden sich rechter und linker Hand zwei Stollenmundlöcher. Beim Suggenbad befindet sich ein bei Straßenbauarbeiten leider verschüttetes, zu einem Tiefstollen gehöriges Mundloch, dessen Position sich durch den ständigen Wasseraustritt noch ermitteln lässt. Wenige Meter weiter oben liegt die erste von insgesamt zwei eindeutig zuweisbaren Schachtpingen, die auf diesem Stollen aufsitzen.
Von hier aus geht es oberhalb vom Ort entlang der nördlichen Talseite bergauf. Unter dem Wanderer taucht das Ortszentrum Suggentals auf mit der Ortsverwaltung, der Kirche, die 1836 die alte Bergmannskirche im obereren Tal ersetzte, und der Silberberghalle. Die Mühe des Anstiegs wird durch einen wunderbaren Ausblick über die Freiburger Bucht und die Buchholzer Rebberge bis hinein ins Brettental mit der Hochburg belohnt. Schließlich erreicht man den Hornbühl, 519 Meter hoch gelegen, und befindet sich wieder mitten auf bergbaulichem Terrain. Rund um den Gipfel liegen zahllose Stollen und Schächte, der einst auf Eisenerze und vielleicht auch auf Gold und Silber betriebenen Gruben. Allein vier Stolleneingänge sind heute noch auszumachen. Bald geht es wieder bergab in südlicher Richtung zum Zentrum des mittelalterlichen Bergbaus. Der Verlauf eines Erzgangs oberhalb vom Grabenhof offenbart sich beim Abstieg durch eine beeindruckende Reihe zahlreicher Pingen und Halden. Im Talgrund erwartet den Wanderer als Höhepunkt die Silbergrube Erich mit ihrem hoch aufragenden Förderturm.
Unterhalb des Besucherbergwerks beim kleinen Parkplatz ist vor langer Zeit ein Erzgang durch einen nur wenige Meter tiefen Schurfstollen und zwei Querschläge erkundet worden. Beim Vogelsanghof befindet sich ein alter Schacht, der erst vor wenigen Jahren gesichert werden musste. Im Wald südwestlich des Hofes gleich hinter der 1670 gepflanzten Kastanie lässt sich derselbe Erzgang weiter in Richtung Wisserhof verfolgen. Auf ihm soll vor allem in der Renaissance Bergbau auf Eisen betrieben worden sein. Hier konnte man früher noch über eine Pinge einige Meter weit in die alten Stollen vordringen. Beharrlich hält sich die Überlieferung, dass man in alten Zeiten vom Vogelsanghof durch den Stollen zum Wisserhof auf der Glottertäler Seite gelangen könne.
Vom Wissereck kommt man über das Schlosswaldeck beim Heidelbeereckle zum Lusersattel. Entlang des Weges finden sich mehrere Stollen, Schächte und Halden. Als Teil einer 15 Kilometer langen Wasserleitung gruben die Bergleute im 13. Jahrhundert einen etwa 150 Meter langen Stollen durch die Wasserscheide, um Wasser zu den Bergwerksanlagen zu leiten. Der Stollen war von der Suggentaler Seite aus 50 Meter bis zu einem Verbruch befahrbar, ist nun aber wieder verstürzt. Vom Luser aus hat man die Gelegenheit, entlang des Badbächle ins Glottertal abzusteigen, vorbei an weiteren vielfältigen Zeugen des mittelalterlichen Bergbaus.
|